NEAIC/NEAF 2018

So gern ich die NEAIC auch besuche, das (wenn auch eher kleine) Risiko besteht darin, dass die Reisebuchung erfolgen sollte, bevor das endgültige Programm bekannt ist. Bei einem aktuellen Preis von $300 zzgl. $75 je Workshop zzgl. Flug, Unterkunft etc. ist das eine gewisse Investition auf Vertrauen. Ich bin jedoch noch nie enttäuscht worden. Zu dieser Konferenz werden hochkarätige Vortragende eingeladen.

Parallel dazu präsentieren einige Hersteller ihre Produkte an beiden Tagen, was eine bessere Kulisse für ausführliche Gespräche bietet als die anschließende NEAF. Für diese ist der Eintrittspreis für beide Tage übrigens in der Gebühr enthalten. Wer natürlich bei der abschließenden Verlosung einen Preis gewinnt, für den relativieren sich die Kosten noch einmal. Als Hauptpreise, neben etlichen anderen, wurden dieses Jahr verlost:

  • Ein FLI Atlas Fokussierer mit Centerline Fliterrad oder alternativ ein $5.000 Nachlass beim Kauf einer Kamera
  • Ein Esprit 80 Refraktor mit Flattener
  • Ein Celestron 8″ EdgeHD

An beiden Tagen wurden jeweils 11 Vorträge (je zwei Hauptvorträge und die übrigen in drei parallelen Sessions) sowie je zwei Workshops angeboten. Frühstück und Mittagessen werden traditionell von den Ausstellern gesponsort. Trotz Pausen sind die Tage damit von 8:00 – 22:30 Uhr ganz schön anstrengend, sicher nicht nur für Europäer mit Jet-Lag.

Das komplette Programm sah so aus, fett umrandet sind die von mir besuchten Vorträge/Workshops:

Ich beschränke mich hier auf die wesentlichen Informationen, die ich von dieser Konferenz mitgenommen habe sowie auf die Neuigkeiten, auf die ich bei den Herstellern gestoßen bin.

Richard Crisp: RBI

Wie bereits in früheren Vorträgen hat Richard das Phänomen RBI anhand von Beispielen erläutert sowie die Ursache erläutert. Betroffen sind insbesondere KAF Chips, in erster Linie aufgrund des Herstellungsprozesses. Interlinear Chips sind nicht betroffen. Neu war mir die Analyse, wie sich das Preflashing, also die Sättigung dieses Bereichs des Chips, in dem das Geisterbild entsteht, auf die maximale sinnvolle Belichtungszeit auswirkt: diese wird wesentlich reduziert. Die maximale sinnvolle Belichtungszeit ist dadurch gegeben, dass dann das Rauschen des Dunkelbildes, welches ja in jedem Bild enthalten ist, das gegebene Ausleserauschen erreicht, welches vorher das Rauschen dominiert. Wenn ich die Argumentation richtig verstanden habe, ist im Fall des Preflashing, dieses Signal dem eigentlichen Bild überlagert, wie man anhand der Geisterbilder sofort sieht. Insofern ist das Rauschen dieses (signifikanten) Signals bei der Berechnung des Signalrauschens zu berücksichtigen. Der derzeit beste Ausweg besteht in einer weiteren Reduzierung des Dunkelstroms (und damit dessen Rauschen) durch weitere Kühlung.

Sean League: Imaging from Space

Die Firma Spacefab entwickelt ein Weltraumteleskop, auf dem jeder Beobachtungszeit buchen können soll. Die Spezifikationen sind noch nicht abschließend, da Neuentwicklungen noch berücksichtigt werden können. Der Spiegel wird 21 cm Öffnung und 1,6 m Brennwite haben, die derzeit geplante Kamera 16 Megapixel bei einer Auflösung von 0,6″/Pixel. Erdebeobachtungen, auch mit einem Multispektrometer sollen ebenfalls möglich sein. Wenn der Prototyp funktioniert, werden weitere Satelliten gestartet, so dass vllt. doch eines Tages die Chance steigt, eigene Bilder damit aufnehmen zu können. Ich halte die derzeit ausgewiesenen Preise für moderat genug, dass der Andrang recht hoch werden dürfte, nicht zuletzt auch von diversen Organisationen. Nähere Informationen unter Spacefab

Richard S. Wright: Raspberry Pi etc. in der Astronomie

Aufgrund meiner eigenen ersten Schritte auf diesem Gebiet war ich sehr gespannt auf diesen Vortrag, ist Richard doch immerhin Software Ingenieur bei Software Bisque, Hersteller von The Sky und den Paramount Montierungen. The Sky soll bereits sehr gut aus einem Pi laufen. Auf die eigentliche Benutzung ist Richard leider nicht weiter eingegangen sondern er hat sich auf den allgemeinen Nutzen und die Vorteile dieser Geräte insbesondere im Hinblick auf den Strombedarf konzentriert. Beispiele seiner eigenen Reisen haben verdeutlicht, dass er weiß, wovon er redet. Vor allem hat er festgehalten, dass die Rechenleistung für die Aufnahme, das Guiding sowie die Steuerung der Montierung allemal ausreicht. Wenn ich eine Andeutung von ihm richtig deute, kann er sich vorstellen, dass eine neue Generation der Montierungssteuerung auch einen solchen Minicomputer beinhaltet. Die Hardware kostet nicht viel, das Betriebssystem ist frei und The Sky ist sowieso beim Kauf der Montierung inklusive.

Ein Besuch der NEAF macht definitiv noch mehr Spaß, als im Baumarkt herum zu stöbern ? Zwar fehlten in diesem Jahr Händler wie z.B. OPT, die meist mit großem Sortiment aufwarten, es gab aber dennoch genug zu schauen und einige interessante Angebote sowie Neuigkeiten zu sehen:

  • Celestron RASA 36, der große Bruder des 11″ RASA
  • iOptron CEM 120 Montierung
  • Reisemontierung mit Direct Drive Antrieb ohne Gegengewichte
  • Kamerasteuerung über Raspberry Pi von ZWO und ATIK
  • Die Neuauflage des Astro-Physics Traveller Refraktor
  • Ein neuer Fluorit Refraktor von Vixen

Das sonnige Wetter hat wieder zur Sonnenbeobachtung eingeladen, wobei natürlich auch die Produkte von Daystar, Coronado und Lunt getestet werden konnten.

Am Samstag wurden einige Vorträge gehalten zum Thema Zusammenarbeit zwischen Amateuren und Profis. Mittels Photometrie können Amateure wertvolle Daten liefern zur Massenbestimmung von Planeten durch Microlensing sowie zu Follow Up Untersuchungen der von der eben gestarteten TESS Mission mittels der Transitmethode gelieferten Daten zu möglichen Exoplaneten.

An beiden wurden außerdem Vorträge gehalten zu verschiedenen Themen aus der Astronomie und Raumfahrt.

Link zur Homepage der NEAIC: http://www.rocklandastronomy.com/neaic.html

Link zur Homepage der NEAF: http://www.rocklandastronomy.com/neaic.html

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